Melatonin – die Uhr des Lebens – Ein Hormon als Quelle von Jugend und Gesundheit

 

Iris Vladimirovic

Alljährlich reisen viele Menschen nach Florida, in das Land, welches einst von Ponce de Len entdeckt wurde, der hoffte, dort den sagenumwobenen Jungbrunnen zu entdecken. Warum zieht dieses Land die Menschen so an? Diese Frage läßt sich vielleicht mit Hilfe der Forschung an einem Stoff erklären, der sich Melatonin nennt, und von dem behauptet wird, daß er das Leben verlängern kann.

Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein Hormon, welches in der Zirbeldrüse gebildet wird. Die Zirbeldrüse ist eine winzige konisch geformte Drüse mitten im Gehirn. Sie gehört zum sogenannten endokrinen System (auch: hormonelles System); dieses besteht aus Hypophyse, Schilddrüse, Thymus, Nebenschilddrüse, Nebenniere, Geschlechtsdrüse und Bauchspeicheldrüse. Jede dieser Drüsen erfüllt eine andere Funktion. Das hormonelle System ist jedoch keine physische Einheit, sondern ein loser Verband von verschiedenen Organen. Diese Organe, die Drüsen, geben Stoffe in die Blutbahn ab, die Hormone. Sie hängen eng mit den Neurotransmittern zusammen und regulieren die Zellfunktionen des Körpers. Oft sind Botenstoffe sowohl Hormone, als auch Neurotransmitter, zum Beispiel Serotonin oder Dopamin. Neurotransmitter sind chemische Boten, die von den Nervenzellen ausgeschüttet werden, und können über die Synapsen Signale zwischen Nervenzellen transportieren. Wahrscheinlich spielen sie bei jeder Hirnfunktion eine Rolle und tragen dazu bei, die Rohinformationen, die von unseren Sinnen oder Gedanken kommen, mit Bedeutung zu belegen. Die Zirbeldrüse besteht anatomisch aus Zellen ähnlich denen der Netzhaut des Auges, sie ist jedoch physiologisch Teil des endokrinen Systems. Sie besitzt eine Verbindung zum Auge und wird durch den hell-dunkel Rhythmus gesteuert. Auge und Zirbeldrüse übersetzen gemeinsam die Lichtinformationen in eine Botschaft, die von jeder Zelle des Körpers entschlüsselt werden kann. Das Melatonin wird nicht gespeichert, sondern sofort in die Blutbahn abgegeben. Bei Licht produziert die Zirbeldrüse Serotonin, einen Stoff, der uns wachhält; bei Dunkelheit beginnt sie mit der Melatoninproduktion, wodurch man sich müde fühlt; man wird auf den Schlaf vorbereitet: die Herzfrequenz und die Verdauung verlangsamen sich, die Körpertemperatur und der Blutdruck sinken. Wenn helles Tageslicht auf die Netzhaut fällt, wird die Melatoninbildung sofort eingestellt. Diese Lichtsteuerung der Zirbeldrüse ist wichtig für einen normalen Tag-Nacht-Rythmus des Menschen. Neben den tageszeitlichen Schwankungen läßt sich auch ein jahreszeitlich bedingter Rhythmus feststellen, der bei Tieren die Fruchtbarkeit steuert, was beim Menschen wesentlich schwächer ausgeprägt ist. Dieser Zyklus der Melatoninproduktion hilft, unseren Körper vor den Auswirkungen des Altwerdens zu schützen.

Was ist das Besondere an diesem Stoff, und weshalb kann er vor dem Altern schützen?

Das Melatonin erfüllt eine Reihe wichtiger Aufgaben im Körper, die die Auswirkungen des Alterns bekämpfen sollen. Was ist Altern, und warum altern wir? – Es ist allgemein bekannt, daß der Alterungsprozeß von einer Vielzahl an Umständen und Krankheiten abhängt, doch erst in der letzten Zeit erkannte man, daß das Alter nicht ein Ergebnis einer Reihe unseliger Begebenheiten des Alltags ist, sondern daß es durch eine innere biologische Uhr gesteuert wird. Man könnte sagen, daß Altern nicht durch Defekte im Körper verursacht wird, sondern daß das Altern das System selbst ist. Das Altern ist eine Folge der Evolution: je höher entwickelt ein Lebewesen ist, desto schneller altert es. Einzellige Lebewesen zum Beispiel altern überhaupt nicht; sie sind, potentiell unsterblich, da sie sich immer wieder teilen, und das unendlich oft. Doch bei den Körperzellen ist das nicht so, nach einer bestimmten Anzahl von Teilungen, sterben sie ab. Die einzigen Körperzellen, die sich unendlich oft teilen können, sind die Krebszellen. Das Altern ist ein biologischer Vorteil der komplizierteren Lebewesen, denn je schneller eine Generation sich fortpflanzen kann, desto schneller kann sie sich an die äußeren Lebensumstände anpassen. Insekten zum Beispiel, die nur wenige Tage leben, sind oft schon nach einigen Jahren gegen Pestizide resistent. Eine Generation hat ihre biologische Aufgabe erfüllt, wenn sie sich erfolgreich fortgepflanzt und die Nachfolgegeneration die sexuelle Reife erreicht hat. In einer stabilen Population müssen sich Geburts- und Sterberate decken; je schneller die alte Generation stirbt, desto schneller können wieder neue Generationen geboren werden, und die Evolution schreitet fort. Melatonin spielt nun die zentrale Rolle im Alterungsprozeß, da es den Körper vor Verfall schützt. Melatonin ist nicht nur ein einfacher Botenstoff, er erfüllt auch weitreichende zellerhaltende Funktionen im Körpersystem. Zum Beispiel hilft es, den Körper vor sogenannten freien Radikalen (siehe Info) zu schützen, die Zellen angreifen und zerstören können. Freie Radikale entstehen zum Beispiel durch Zigaretten, Sauerstoff, Alkohol, Ozon, ultraviolette Strahlung, Röntgenstrahlung, Körperprozesse und übertriebene körperliche Betätigung. Es gibt eine ganze Menge sogenannte Antioxidanzien, also Stoffe, die freie Radikale unschädlich machen können, indem sie eine Verbindung mit ihnen eingehen. Antioxidanzien sind zum Beispiel: Betakarotin, Vitamin E, Vitamin C, Flavine und Glutahione. Doch das Melatonin ist unter allen Antioxidanzien das effektivste. Es hat keine Nebenwirkungen, und die Verbindung mit freien Radikalen ist nicht wieder rückgängig zu machen, sie ist harmlos und wird aus dem Körper ausgeschieden. Das ist bei den anderen Antioxidanzien nicht so. Wenn sie zerfallen, werden wieder freie Radikale frei, was die Zellschädigung beschleunigen kann. Wahr- scheinlich entwickelte sich das Melatonin, um das anfängliche Leben vor den UV- Strahlen und anderen schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen. Manche Wissenschaftler nehmen sogar an, daß es als Reaktion auf den ersten Fall von Luftverschmutzung, die Abgabe von Sauerstoff durch grüne Pflanzen, entstanden ist, da Sauerstoff für die ersten Lebewesen wahrscheinlich sehr schädlich war, Ursache dafür ist seine extreme Reaktionsfreudigkeit mit anderen Stoffen (Oxidation). Zellschädigungen durch freie Radikale sind die wichtigste Ursache für das Altern. An den Stellen des Körpers, die die meisten freien Radikalen bilden, altert man am schnellsten; zum Beispiel wird Vergeßlichkeit durch freie Radikale verursacht, die die Neuronennetze des Gehirns zerstören. Durch die ständige Aktivität der Synapsen entstehen freie Radikale entlang der Nervenstränge. Auch Krebs wird durch freie Radikale verursacht, die die DNA angreifen und verändern. Studien zufolge hat Melatonin auch die Fähigkeit, uns vor ihm zu schützen. Studien haben ergeben, das Melatonin bei vielen Krebsarten das Wachstum verlangsamt und die Metastasenbildung verzögert. Vor allem in Verbindung mit Interleukin-II, einer Substanz, die vom Immunsystem gebildet wird, konnte man große Erfolge erzielen: In einem Versuch in Monza, Italien, gab man 82 Patienten, die metastasierenden Krebs hatten, eine Kombination aus niedrig dosiertem Interleukin-II und Melatonin. Dies erzielte bei vier Patienten eine komplette Remission und ließ den Tumor bei 21 Patienten schrumpfen. Dabei blieben die Nebenwirkungen sehr gering.

Melatonin gegen Depressionen

Wie kann Melatonin Krebs bekämpfen?

Durch seine Eigenschaft als Antioxidans verhindert es Schädigungen der DNA, durch die eine Zelle krebsartig werden kann. Es stimuliert das Immunsystem so, daß Krebszellen in ihrem Frühstadium zerstört werden, bevor sie sich vermehren können; außerdem reguliert Melatonin die Bildung von Östrogen, Testosteron und wahrscheinlich noch anderer Hormone, die das Wachstum bestimmter Tumore verlangsamen und verhindern. Wie Krebs können auch gefährliche Herzkrankheiten, die durch Ablagerungen an der Gefäßwand entstehen, durch freie Radikaleverursacht werden; wahrscheinlich verbinden sich die freien Radikalen mit LDL-Cholesterin, es oxidiert, und die Verbindung wird sozusagen “ranzig”. Die Körperabwehrzellen greifen die Cholesterinpartikel an, die an den Gefäßwänden hängenbleiben, und absorbieren sie. Dadurch, daß sie das Cholesterin nicht verdauen können, schwellen sie immer mehr an, das Gefäß verengt sich und die Blutzirkulation wird beeinträchtigt.

Auch im Immunsystem spielt Melatonin eine zentrale Rolle. Dort nimmt es neben der Aufgabe, individuelle Zellen vor freien Radikalen zu schützen, die Stellung eines Kommandanten ein, der die verschiedennen Komponenten des Immunsystems steuert. Das ergibt sich daraus, daß das System von Hormonen gesteuert wird, die wiederum unterschiedlich stark von Melatonin beeinflußt werden.

Melatonin beeinflußt das Immunsystem jedoch nur, wenn es durch Eindringlinge in Alarmbereitschaft versetzt wurde. Dann hilft es, das körperliche Gleichgewicht aufrecht zu erhalten und das optimale Funktionieren des Systems zu gewährleisten. Nachdem es in Aktion war, versetzt Melatonin das System wieder in einen Zustand der Empfangsbereitschaft.

Melatonin hilft auch, Autoimmunreaktionen zu verhindern, die Krankheiten wie Diabetes, Rheuma und Allergien auslösen können. Alle diese Krankheiten treten verstärkt im Alter auf. Dies hängt mit dem Melatoninspiegel zusammen. Ein hoher Melatoninspiegel schützt vor freien Radikalen und sorgt für das Funktionieren des Immunsystems. In den ersten drei Lebensmonaten ist der Melatoninspiegel noch sehr niedrig, danach steigt er stark an und sinkt dann in der Pubertät, da die Menge des Melatonins zwar konstant bleibt, die Konzentration im Blut jedoch abnimmt, weil ein größerer Körper versorgt werden muß. Nach der Pubertät geht der Melatoninspiegel dann langsam zurück, bis im Alter ein Punkt erreicht ist, an dem Überhaupt kein Melatonin mehr gebildet wird. Man kann den Melatoninspiegel beeinflussen, indem man tagsüber genug Sonnenlicht tankt, wodurch die Serotoninbildung angeregt wird und der Anstieg des Melatoninspiegels nach dem Dunkelwerden stärker wird; oder indem man zusätzlich Melatonin einnimmt. Bekannt wurde Melatonin, da es ein natürliches Schlafmittel darstellt, das keine Auswirkungen auf die REM-Traumphasen hat; man wacht dadurch morgens auch richtig ausgeruht auf, was bei normalen Schlafmitteln nicht so ist. Melatonin wird auch gegen die Auswirkungen des Jet-lag bei Flügen eingesetzt, also um den Wach-Schlaf-Rhythmus auf die neue Ortszeit einzustellen. In Zukunft könnte die Melatoninforschung neue Erkenntnisse und Behandlungsmethoden für altersbedingte Krankheiten bringen. Sicher ist, daß dieser Stoff in Zukunft noch viel diskutiert werden wird.

Als Dosierung für die Einnahme von Melatonin wird altersabhängig 2-6 mg empfohlen.

Abschließend läßt sich sagen, daß Ponce de Le n im übertragenen Sinne doch den Jungbrunnen fand, als er Florida entdeckte, da es dort bekanntlich sehr sonnig ist, was sich günstig auf den Melatoninspiegel auswirkt. Die vielen Menschen, die jährlich nach Florida reisen, folgen damit einer instinktiven Sehnsucht nach dem Licht.
Steven J. Bock und Michael Boyette

Behandlung des Jet Lag

Ca. 10% aller Reisenden eines Langstreckenfluges nehmen Schlafmittel ein, um die Symptome (Auswirkungen) der verlangsamten Anpassung der inneren Uhr an die neue Ortszeit zu mindern. Es ist generell empfehlenswert bei Ostflügen kurzwirksame Schlafmittel bereits im Flugzeug und dann für einige Tage am Aufenthaltsort einzusetzen. Ein Beispiel für so ein kurzwirksames Einschlafmittel ist Zolpidem (Stilnox). Bei Flügen in den Westen, wo man zu früh aufwacht empfehlen sich eher länger wirksame Schlafmittel wie z.B. das Ximovan. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig und Reisende sollten sich vor Einnahme von einem Schlafmediziner beraten lassen. Bei beiden Medikamenten wird jedoch nicht die innere Uhr schneller der neuen Ortszeit angepasst. Sie verhindern nur die unangenehmen Beleiterscheinungen, die sich aus dem veränderten Schlaf/Wachrhythmus ergeben.

Nur Melatonin und Licht haben die Eigenschaft die innere Uhr schneller der Umgebungszeit anzupassen. Melatonin, ein körpereigenes Hormon, das Nachts gebildet wird spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung der inneren Uhr. Es wird im Gehirn in der sogenannten Anhangsdrüse gebildet. Dieses Organ spricht auch direkt auf Lichteinwirkung an. (Durch Anklicken des Bildes oben links werden Sie zur Website geleitet, die die Lage dieses Organs im Gehirn besser abbildet. Das bezeichnete Organ ist dort mit dem Namen PINEAL gekennzeichnet) Das Hormon jedoch wird Nachts gebildet, wobei das Maximum der Bildung zwischen 3 und 4 Uhr morgens stattfindet.
In den USA ist Melatonin als Nahrungsmittelzusatzstoff frei verkäuflich seit über 20 Jahren erhältlich. Verschiedene Studien haben belegt, dass die Einnahme dieses Stoffes die innere Uhr schneller auf die neue Ortszeit umstellen kann. Dabei ist jedoch die individuelle Dosierung eine Sache des Ausprobierens. Melatonin am Abend vor dem Insbettgehen eingenommen hat einen einschlafverkürzenden Effekt. Üblicherweise werden die Melatoninpräparate in 1, 3 und 5 oder 6 mg Dosierungen angeboten. Untersuchungen belegen, dass eine niedrigdosierte Anwendung nicht immer die Auswirkungen des Jet Lag verhindern kann. Höherdosierte Anwendungen zeigen hier bessere Resultate. Dabei wäre die Einnahme von 9 mg zur nacht an den ersten beiden Tagen in der neuen Zeitzone zu empfehlen. An den nächsten 2 folgenden Tagen 6 mg, 4 mg an den darauf folgenden 2 Tagen und 2 mg an den letzten 2 Tagen haben gute Erfolge bei der Umstellung der inneren Uhr ergeben und tragen zu einem weniger gestörten Nachtschlaf bei.
Eine Untersuchung von Dr. Lewy des Schlaflabors in Portland, Oregon, USA hat eine kombinierte Anwendung von Licht und niedrigdosiertem Melatonin empfohlen. Bei einer Reise in den Osten empfiehlt er die Einnahme von 0,5 mg Melatonin am Tage vor der Reise jeweils um 14:00 Uhr sowie am Tag der Reise. Bei Ankunft am Reiseziel sollte dieselbe Dosis eine Stunde früher in der neuen Ortszeit eingenommen werden. Bei einem Flug von New York nach Frankfurt wäre das dann um 19:00 Uhr Ortszeit in Frankfurt. Am darauf folgenden Tag Einnahme um 16:00 Uhr und am letzten Tag um 14:00 Uhr. Damit ist die Umstellung erreicht. Dieses Schema ist recht kompliziert und erfordert auch die Anwendung von Licht. D.h. 30 Minuten helles Sonnenlicht um 8 Uhr morgens.

Info:

Freie Radikale Freie Radikale sind unvollständige Atome und Moleküle. Vollständige chemische Verbindungen werden von Elektronen in gleichbleibenden Mustern umkreist. Bei Freien Radikalen fehlen jedoch ein oder zwei Elektronen, wodurch sie instabil werden und die Tendenz haben, sich an andere Verbindungen zu hängen und deren Struktur zu stören. Lebende Zellen werden durch diese überlaufenden Verbindungen irritiert, komplexe und empfindliche Strukturen des Lebens gestört. Treten die Freien Radikale in entsprechender Anzahl auf, können sie Bestandteile einer Zelle zerstören und damit oft die Zelle selbst. […] Gelangen die freien Radikale bis an die DNA im Zellkern, ist der Schaden, den sie anrichten, zwar momentan nicht so offensichtlich, aber dafür auf lange Sicht sehr viel größer. Wird die empfindliche DNA-Kette durch Freie Radikale beschädigt, verändert sich dadurch der genetische Code, und die Zelle mutiert. Meistens enden diese genetischen Mutationen für die Zelle tödlich, in anderen Fällen kann die Zelle krebsartig werden. Aus: “Wunderhormon Melatonin”


Quellen: “Fit For Fun”, “Wunderhormon Melatonin”, “Melatonin”, ZSM Dortmund


Wer mehr über Melatonin erfahren möchte, dem ist das Buch “Melatonin” der beiden Wissenschaftler und Entdecker des Melatonins: Walter Pierpaoli und William Regelson zu empfehlen.

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