Was ist L-Carnitin und was bewirkt es in unserem Körper?

L-Carnitin ist ein vitaminähnlicher Wirkstoff, der vom Körper selbst gebildet und teilweise durch die Nahrung, besonders durch den Verzehr von Fleisch, aufgenommen wird. Die Eigenproduktion ist vom ausreichenden Vorhandensein von Vitamin C und B6, Eisen und Niacin abhängig. L – Carnitin spielt eine besondere Rolle im Rahmen des Fettstoffwechsels.

Die Körperzellen selbst verfügen über so genannte Mitochondrien, die man sich – zwecks Verständnis – als Energiekraftwerke der Zellen vorstellen kann. Damit diese Energiekraftwerke richtig arbeiten, benötigen sie Fettsäuren. Diese Fettsäuren sind aber in den Mitochondrien nicht enthalten, sondern müssen erst dort hin transportiert werden. Diesen Transport/ Funktion übernimmt das L – Carnitin. L – Carnitin heftet sich an die Fettsäuren an und schleust – insbesondere auch langkettige Fettsäuren, die die Zellwand der Mitochondrien alleine nicht passieren könnten, – in die Mitochondrien hinein. L – Carnitin ist in gewisser Weise in jeder Körperzelle vorhanden.

Liegt ein Mangel an L – Carnitin vor, so werden weniger Fettsäuren in die Mitochondrien transportiert, so dass weniger Fett in Energie umgesetzt werden kann.

Neben dieser „Transportfunktion“ und über die Schlüsselfunktion innerhalb der Fettverbrennung hinaus, beteiligt sich L – Carnitin an vielen biochemischen Prozessen des Organismusses entweder in direkter oder indirekter Weise. So kann beispielsweise eine ärztlich verordnete Dosis an L – Carnitin eine Verbesserung der Blutfettwerte bewirken und sich somit auf bestehende Herzkrankheiten günstig auswirken.

Wann braucht man zusätzlich L-Carnitin als Nahrungsergänzung?

Bei Stress werden die Aminosäuren Lysin und Methionin für die Produktion von Stresshormonen benötigt. Die Leber kann somit nicht genügend L-Carnitin produzieren. Bei einigen Menschen funktioniert die Produktion von L-Carnitin nur mäßig oder gar nicht, infolge einer genetisch bedingten Stoffwechselstörung. Erhöhten Bedarf an L-Carnitin haben vor allem Ausdauersportler mit Trainingseinheiten von mehr als 60 Minuten, insbesonders beim Triathlon, Marathon, Radfahren und Fußballspiel. Ebenso ist die zusätzliche Einnahme von L-Carnitin empfehlenswert für Personen, die abnehmen wollen oder sich überwiegend vegetarisch ernähren, da sich L-Carnitin hauptsächlich in tierischen Produkten befindet. Die Einnahme von L-Carnitin kann nur in Verbindung mit Sport (Fettverbrennung bei aeroben Ausdauerbelastungen) ihren Zweck erfüllen. Bei der Supplementierung ist zu beachten, daß die optimale Wirkung von L-Carnitin erst 1 ½ – 2 Stunden nach der Einnahme vorliegt. Es wäre also verschwenderisch, Carnitin-Getränke oder Präparate unmittelbar vor oder während des Trainings einzunehmen!

Was passiert bei Stress?

Stresshormone bewirken, dass unsere Fettzellen Energie abgeben. 1 Gramm Fett hat mit 9,3 kcal. mehr als doppelt soviel Energie als Kohlenhydrate und ist somit ein ausgezeichneter Energielieferant, allerdings ist es schwer ranzukommen. Egal ob bei positivem Stress (Sport, Bewegung…) oder negativem Stress (Angst, Ärger, Aufregung), es wird den Fettzellen Energie entzogen und diese gelangt somit in die Blutlaufbahn. Besteht nun ein Mangel an L-Carnitin, so kann diese Energie nicht in Körperenergie umgewandelt werden und hat zur Folge: Das Blutbild verschlechtert sich. Der Körper gewinnt seine Energie überwiegend aus Kohlenhydrate und das überschüssige Fett bleibt unberührt. Durch die schnelle Leerung des Kohlenhydratspeichers entsteht erneut ein Hungergefühl und der Blutzuckerspiegel sinkt. Frauen sind häufiger betroffen, da diese ca. ein Drittel weniger Kohlenhydrate speichern können als Männer.

Die vitaminähnliche Substanz L-Carnitin spielt eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel. Deshalb wird es von Ausdauersportlern geschätzt.

Mit L-Carnitin würden die überflüssigen Pfunde einfach verschwinden, versuchen unseriöse Inserate leichtgläubigen Leserinnen und Lesern immer wieder zu einzureden. Schön wäre es, wenn das so einfach funktionieren würde. Was L-Carnitin mit Fett wirklich zu tun hat, erklärt der Leiter der klinischen Pharmakologie der Universität Basel, Professor Stephan Krähenbühl: «L-Carnitin sorgt dafür, dass die langkettigen Fettsäuren dorthin gelangen, wo sie verbrannt werden, nämlich in die Mitochondrien.» Diese werden oft als «Kraftwerke» der Zellen bezeichnet, eben weil dort die Fettsäuren verbrannt werden. L-Carnitin hat noch weitere Funktionen, etwa im Glukose-Stoffwechsel, doch die sind wissenschaftlich noch nicht gut belegt. Sicher aber ist, dass L-Carnitin für den Stoffwechsel nötig ist. Es wird zum Teil vom Körper selber hergestellt. Hauptlieferanten von L-Carnitin sind die Leber und bei Männern die Hoden. Eine Vorstufe dazu wird in den Nieren hergestellt. L-Carnitin kommt aber auch in unserer Nahrung vor, hauptsächlich im Fleisch. Trotzdem zeigen Vegetarier und Veganer in der Regel keine Mangelsymptome. Wenn sie jedoch an Muskel- oder Konzentrationsschwäche leiden, so können sie laut Professor Krähenbühl durchaus eine zusätzliche Zufuhr von L-Carnitin probieren. Und obwohl diese Substanz kein Fettkiller ist, kann unter Umständen von einer Zufuhr profitieren, wer am Abnehmen ist. Denn treten bei einer strengen Diät oder gar dem Fasten Symptome eines Mangels auf, kann es sinnvoll sein, zusätzlich L-Carnitin zu nehmen. Wer seine Muskeln mit extrem hohen Dauerbelastungen strapaziert, kann unter Umständen ebenfalls von einer zusätzlichen Zufuhr von L-Carnitin profitieren

Schneller wieder fit

Eine der Sportlerinnen, die von L-Carnitin überzeugt ist, ist die Deutsche Astrid Benöhr. Die dreifache Mutter siegte über Jahre im 2-fach-, 3-fach-, 4-fach-, 5-fach- und 10-fach-Ultra-Triathlon. Dazu gehören 38 km Schwimmen, 1800 km Radfahren und 422 km Laufen. Für diese Leistung brauchte Astrid Benöhr sieben Tage und 15 Stunden – und hat damit den Männerweltrekord um fünf Stunden unterboten. Sie sagte in einem Interview: «Ich fühle mich durch L-Carnitin vor allem in der Regeneration besser, und ich bin schneller wieder fit