Folsäure ist ein Vitamin der B-Familie.

Dieses Vitamin ist notwendig für die Vorgänge der Zellteilung und damit der Zellneubildung. Unser Körper bildet ständig neue Zellen. Deshalb spielt Folsäure von Anfang an eine entscheidende Rolle. Folsäure ist besonders in grünem, frischem, ungekochtem Gemüse vorzufinden. Schwangere haben einen doppelt so hohen Bedarf an diesem Vitamin. Neuerdings wird auch der Einsatz von Folsäure bei Darmkrebs und zur Vorbeugung von Arteriosklerose diskutiert.

Wozu brauchen wir Folsäure?

Folsäure gehört zu den B-Vitaminen und hat in letzter Zeit in zweierlei Hinsicht von sich Reden gemacht. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, daß eine mangelhafte Versorgung mit Folsäure sowohl mit der gefürchteten Gefäßkrankheit Arteriosklerose als auch mit Komplikationen in der frühen Schwangerschaft in Zusammenhang gebracht werden kann. Grund genug, um einmal die Folsäure und ihre Wirkungsweise genauer unter die Lupe zu nehmen. Im folgenden Beitrag erläutert Diplom-Ökotrophologin Susanne Ahrndt, was es mit diesem Vitamin auf sich hat. Folsäure wurde 1930 entdeckt. Es handelt sich um ein wasser lösliches Vitamin, das wie Riboflavin, Niacin, Panthothen säure oder Vitamin B12 zur Gruppe der B-Vitamine gehört. Fol säure ist äußerst empfindlich gegen Hitze, Licht, Sauerstoff, Säuren und Laugen. Folsäure hat im Körper eine Reihe von wichtigen Aufgaben zu erfüllen. Sie ist notwendig für die Blutbildung, für gesunde Schleimhäute und zur Steigerung der Abwehrkräfte. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Nukleinsäuren, der chemischen Träger der Erbinformation, sowie im Stoffwechsel von Aminosäuren, den Bausteinen der Eiweiße. Somit ist sie unentbehrlich für die Vorgänge der Zellteilung und der Zellneubildung. Eine hohe Zellteilungsrate weisen die Blut zellen auf. Deshalb kann in Folge eines Folsäuremangel die Bildung der roten und weißen Blutkörperchen gestört sein. Leitsymptom eines Folsäuremangels ist eine bestimmte Form von Blutarmut (= Anämie). Ein Mangel kann sich auch durch Schleimhautveränderungen im Bereich der Mundhöhle oder des Magen-Darm-Trakts bemerkbar machen.

Folsäuremangel

Ein Folsäuremangel ist in den Industrieländern weit verbreitet: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland erreicht die empfohlene Menge von 300 Mikrogramm Folsäure pro Tag nicht. Die meisten nehmen pro Tag zwischen 200 und 300 Mikrogramm zu sich. Grundsätzlich lässt sich ein Folsäuremangel durch eine abwechslungsreiche Ernährung, die auf Vollkornprodukte, viel Gemüse und Hülsenfrüchte setzt, vermeiden. Diese Form der Ernährung entspricht aber nicht den typischen Essgewohnheiten der meisten Verbraucher.

Ob ein Folsäuremangel besteht, lässt sich über Blutuntersuchungen feststellen – zudem erkundigt sich der Arzt nach den Ernährungsgewohnheiten und untersucht den Betroffenen. Bereits nach zwei bis drei Wochen, in denen man zu wenig Folsäure aufgenommen hat, sinkt die sogenannte Plasmafolsäure im Blut. Eine kurzfristige Aufnahme von Folsäure kann die Messung dieses Wertes verfälschen. Als guter Langzeitmarker eignet sich das in den roten Blutkörperchen enthaltene Folat: Seine Konzentration sinkt, wenn die Unterversorgung mit Folsäure etwa drei bis vier Monate andauert.

Folsäure beeinflußt Herzinfarktrisiko

Darüber hinaus beeinflusst die Folsäure zusammen mit Vitamin B6 und Vitamin B12 den Homocysteinspiegel im Blut. Homocystein kommt in unserer Nahrung nicht vor. Vielmehr entsteht es als Zwischenprodukt im Aminosäurestoffwechsel aus der lebenswichtigen Aminosäure Methionin. Da Homocystein für den Körper giftig ist, wird es schnell wieder umgebaut. Doch dazu sind die drei genannten Vitamine notwendig.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass ein erhöhter Homocysteinspiegel im Blut häufig auf eine unzureichende Versorgung von Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 zurückzuführen ist. Homocystein fördert die Bildung des LDL-Cholesterins, des wegen seiner schädigenden Wirkung auf die Blutgefäße schlechten Cholesterinanteils. Es ist auch möglich, dass das Homocystein die Gefäßwand direkt selbst schädigt. Noch ist aber der Mechanismus der gefäßschädigenden Wirkung des Homocysteins nicht vollständig erforscht.

Auf jeden Fall wird heute ein erhöhter Homocysteinspiegel neben Übergewicht oder zu hohe Fett- und Cholesterinwerte im Blut als eigenständiger Risikofaktor für koronare Herzkrankheit betrachtet. Denn bei gesunden Menschen liegt Homocystein nur in geringen Mengen im Blut vor. Dagegen ist die Homocysteinkonzentration bei jedem viertem Menschen erhöht, der an einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit (z. B. Verschluss einer Beinarterie) erkrankt ist. Mit hohen Dosen an Vitamin B6, B12 und Folsäure, die die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) um ein Mehrfaches überstiegen, konnten erhöhte Homocysteinwerte im Blut gesenkt werden. Jetzt wird untersucht, welche minimalen Mengen an Vitamin B6, B12 und Folsäure mit der Nahrung zugeführt werden müssen, um den Homocysteinspiegel zu beeinflussen.

Es konnte bereits gezeigt werden, dass bei gesunden Versuchpersonen mit normalen Vitaminkonzentrationen im Blut, die zusätzlich die Vitamine B6, B12 und Folsäure in der Höhe der Empfehlungen der DGE bekamen, der Homocysteinspiegel gesenkt werden kann. Den größten Einfluss auf die Senkung des Homocysteinspiegel hat offensichtlich die Folsäure.

Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine große Gruppe von Substanzen. Es gibt etwa 100 verschiedene Folsäure-aktive Stoffe. Man nennt sie Folate.

Die in Lebensmitteln vorkommenden Folate zählen zu den instabilen Vitameren. Sie sind insgesamt lichtempfindlich und reagieren extrem empfindlich gegenüber Sauerstoff und Hitze.

Folsäure ist überwiegend in Blattgemüse und in Rinder-, Schweine- und Kalbsleber enthalten. Im Gemüse finden sich besonders hohe Konzentrationen in Bohnen, Kopfsalat, Spargel, Spinat und Weißkohl. Aus ernährungsphysiologischer Sicht spielt die Menge der vorhandener Folate eher eine untergeordnete Rolle. Entscheidend über die Bioverfügbarkeit ist die Form der vorliegenden Folate. In Lebensmitteln liegen Folate aus ernähungsphysiologischer Sicht in zwei Formen vor: in Folsäure-Mono- oder -Poly-Glutamaten. Monoglutamate werden auch als freie Folsäure bezeichnet. Die Aufnahmefähigkeit ist bei freier Folsäure weitaus höher, als bei den Polyglutamaten. Entscheidend über die Bioverfügbarkeit ist auch die Zubereitung der Lebensmittel. Durch das Zerkleinern von rohem Gemüse werden Folate der Zellen freigesetzt. Dadurch können sie mit gewebseigenen Enzymen so verändert werden, dass sich ihre Bioverfügbarkeit verbessert. Auf Grund der hohen Hitzeempfindlichkeit der Folate haben gegarte Lebensmittel eine verminderte Bioverfügbarkeit des Vitamins.

Stoffwechsel

Folate müssen eine bestimmte Struktur aufweisen, um vom Dünndarm aufgenommen werden zu können. Während Folsäuremonoglutamat (Moleküle mit nur einem Aminosäurerest, dem Glutamyl-rest) weitgehend ohne Umwege resorbiert werden können, müssen die Folsäurepolyglutamate (Moleküle mit mehreren Glutamylresten) vor der Resorption gespalten werden. Diese “Vorbereitung” zur Resorption ist aber nur bedingt möglich, d.h. es können nicht alle, bis zu acht Glutamylreste abgespalten werden. Dadurch ist die Aufnahme von Folsäurepolyglutamaten sehr begrenzt.

Gespeichert wird das Vitamin zum größten Teil in der Leber. Die Speicherdauer ist aber nur sehr kurz. Schon nach ca. vier Wochen folatfreier Ernährung sind die Speicher weitgehend erschöpft.

Mangelsymptome

– depressive Verstimmungen
– Schlaflosigkeit
– psychische Störungen und
– Vergesslichkeit
– Offener Rücken (Spina Bifida) beim Fötus

Aufgaben

Folsäure wirkt vorwiegend als Coenzym. Es ist am Stoffwechsel von Proteinen und Nukleinsäuren (DNS) beteiligt. Die Beteiligung an der Synthese zu einem Vorstufenprodukt der DNS gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Vitamins. Bei einigen Reaktionen im Stoffwechsel ist Folsäure auf die Anwesenheit von Cobalamin angewiesen. Ist Cobalamin nicht in ausreichenden Mengen vor-handen, kommt es zu indirekten Mangelerscheinungen an Folsäure.

In der Schwangerschaft erhöhter Bedarf

In der Schwangerschaft ist der Folsäurebedarf deutlich erhöht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt in ihren Nährwertempfehlungen Erwachsenen eine tägliche Zufuhr von Folsäure von 0,15 mg (= 0,3 mg Gesamtfolat). Schwangeren Frauen wird etwa die doppelte Menge empfohlen. Man spricht von Gesamtfolat, weil das Vitamin in der Nahrung sowohl als freie Folsäure als auch in gebundener Form enthalten ist. Bei der Empfehlung ist berücksichtigt, daß die gebundene Folsäure schlechter vom Körper aufgenommen wird. Es ist jedoch sehr schwierig die erhöhten Aufnahmemengen in der Schwangerschaft mit der Nahrung zu erreichen. Nur weniger als 10 % der schwangeren Frauen gelingt es, die mit der Ernährung empfohlenen Werte einzuhalten. Wie wichtig jedoch eine optimale Versorgung mit dem Vitamin in der Schwangerschaft, ja sogar schon vor Beginn einer Schwangerschaft ist, zeigen Untersuchungsergebnisse der jüngsten Vergangenheit. Danach wird eine mangelhafte Folsäure versorgung der Mutter mit einem gehäuften Auftreten von Fehlgeburten und mit einem erhöhten Risiko für Lippen- und Gaumenspalten sowie für Neuralrohrdefekten wie eine Spina Bifida (= offener Rücken) beim Kind in Zusammenhang gebracht. Studien haben gezeigt, daß bei Müttern, die bereits ein Kind mit einer Spina bifida geboren haben, das Wiederholungsrisiko durch Zugabe von Folsäure um 70 Prozent gesenkt werden konnte. Allerdings sind nur 5 Prozent aller Neuralrohrdefekte tatsächlich Wiederholungsfälle. Deshalb stellt sich die Frage, ob man nicht grundsätzlich vorsorgen sollte? Da sich die Neuralrinne beim Kind bereits zwischen dem 23. und 28. Tag schließt, – zu einem Zeitpunkt, an dem Frauen meistens noch garnicht wissen, daß ein Baby unterwegs ist – wird heute allgemein Frauen mit Kinderwunsch geraten, auf eine ausreichende Folsäureversorgung zu achten. Verschiedene deutsche Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen, um den Zeitpunkt der Empfängnis herum zusätzlich 0,4 mg Folsäure zur Nahrung aufzunehmen. Ohne zusätzliches Präparat ist dies aber kaum zu erreichen. Es gibt jedoch ein Monosubstanz präparat auf dem Mark, das genau dieser Empfehlung ent spricht. Frauen, die sich ein Baby wünschen, sollten einmal ihren Arzt auf die Vorbeugung mit Folsäure ansprechen. Übrigens braucht man bei den empfohlenen Mengen keine Angst vor einer Überdosierung zu haben. Folsäure ist wie schon erwähnt ein wasserlösliches Vitamin und wird relativ schnell mit dem Urin wieder ausgeschieden. Es gibt also Gründe genug, um auf eine optimale Versorgung mit Folsäure zu achten. Doch wie läßt sich der Folsäurebedarf durch die Ernährung decken? Folsäure ist in allen grünen Blattgemüsen enthalten. Das zeigt auch schon der Name des Vitamins. Denn Folsäure leitet sich vom lateinischen »folium«, das auf deutsch Blatt heißt, ab. Reichlich Folsäure liefern zum Beispiel Feldsalat und Spinat. Aber auch Kohlarten, wie Grünkohl, Rosenkohl oder Broccoli sind gute Folsäurelieferanten. Darüber hinaus gehören zu den fola treichen Lebensmitteln Brot und Backwaren aus Vollkornmehl, Weizenkeime und Sojabohnen. Auch Obst, Hühnereier, Milch und Milchprodukte leisten einen Beitrag zur Folsäureversorgung. Jedoch ist der Gehalt in Weichkäsearten wie Limburger oder Camenbert höher als im Hartkäse wie Allgäuer Emmentaler. Ein äußerst folatreiches Lebensmittel ist Rinderleber. Schon mit 30 Gramm Rinderleber läßt sich der Tagesbedarf an Folsäure decken. Folsäurereich sind auch Rindernieren. Allerdings sollten Leber und Nieren wegen des hohen Schwermetallgehalts nur gelegentlich gegessen werden. Und für Schwangere ist Leber als potente Folsäurequelle leider tabu. Denn das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin warnt wegen des hohen Vitamin-A-Gehalts während der Schwangerschaft vor dem Genuß von Leber aller Tierarten und empfiehlt auch beim Verzehr von leberhaltigen Produkten sehr zurückhaltend zu sein. Denn die Vitamin-A-Werte liegen so hoch, daß eine schädigende Wirkung für das werdende Kind mit Sicherheit nicht ausgeschlossen werden kann. Um Folsäureverluste zu vermeiden, ist es wichtig, daß die Mahlzeiten schonend zubereitet werden. Langes Erhitzen und Warmhalten sowie Wiederaufwärmen sollte man möglichst vermei den, weil dadurch besonders viel Folsäure zerstört wird. Aufgrund seiner hohen Wasserlöslichkeit ist es ratsam, Gemüse wasserarm zu garen und Salate nicht zu wässern.

Susanne Ahrnd